Wabi-Sabi für Fotograf:innen – Die Schönheit des Unperfekten

Perfektion ist der schnellste Weg, Emotion zu verlieren. Sie sieht makellos aus, fühlt sich aber leer an. Sie zeigt alles und erzählt nichts. Wenn alles korrekt ist, wird nichts mehr interessant.

Perfektion ist unmenschlich.

Ihr fehlen Verletzlichkeit, Kontraste und Spannung, genau die Dinge, die uns berühren. Die Welt funktioniert nur durch Gegensätze: Licht und Schatten, Freude und Traurigkeit, Klarheit und Chaos. Es gibt keine Tiefe ohne Reibung. Keine Schönheit ohne Unvollkommenheit.

Deshalb bleiben perfekte Bilder oft flach. Sie beeindrucken, aber sie bewegen nicht.

Als Fotograf:innen arbeiten wir heute in einer digitalen Welt, die uns maximale Kontrolle verspricht. KI kann jedes Bild korrigieren, glätten und optimieren. Haut wird makellos, Licht perfekt, Momente aufgeräumt.

Doch je steriler und sauberer Bilder werden, desto mehr verlieren wir das, womit Menschen sich eigentlich verbinden: Realität.

Und wenn Perfektion zum Standard wird, wird das Unperfekte plötzlich kostbar.

Die leichte Unschärfe eines echten Moments.
Ein schiefes Lächeln.
Eine zitternde Hand.
Etwas Ungeplantes, Chaotisches, Echtes.

Genau darin steckt Leben. Und genau das bleibt hängen.

Ich hoffe, dass mit jeder neuen technischen Möglichkeit auch die Sehnsucht nach dem Echten wächst. Nach Bildern, die atmen. Nach Geschichten statt Oberflächen. Nach Charakter statt Korrektheit.

Perfektion ist langweilig.
Menschlichkeit nicht.

Und die Fotograf:innen, die den Mut haben, die Welt so zu zeigen, wie sie wirklich ist, nicht wie Software sie berechnet, werden Arbeiten schaffen, die bleiben.

Gil Gropengießer

Ich mache es auch nicht besser.

https://www.juliaandgil.com
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Nothing Is More Boring Than Perfection